Mein Barfussjahr in Kenia

invite happiness so it will feel welcome in your haven

 
07Juni
2014

Empty nest.

Ab Mitte März hatten ich dann für über einen Monat konstant Besuch, unter anderem eine Freundin die spontan aus Deutschland angeflogen kam um zu gucken wie ichhier so lebe, mit mir Hells Gate, Kakamega Rainforest und den Lake Viktoria zu erkunden. Bei dieser hardcore Theaphie konnte ich dann auch so ganz nebenbei meine Gastgeberversagerängste überwinden.

 

Seit 3 Tagen bin ich nun wieder zurück in meinem geliebten Kisumu und nur noch Gidi ist geblieben. Selbst Calle hat tatsächlich den Absprung geschafft und ist zurück nach Biharamulo (?) gekehrt. Stillen Respekt an dieser Stelle an dich Calle; ich hätte es nicht mehr für möglich gehalten.

Es ist Ostern, mich hat seitdem ich zurück bin eine Grippe fest im Griff (ja auch bei Mindesttemperaturen von 30 Grad kann man eine Grippe bekommen, oder besonders dann – viel schwitzen, kalt-windige Pikifahren, etc.), ich skypte nochmal mit meiner Familie, schickte Lebenszeichen, Gidi kam irgendwann rein und verabschiedete sich zu einem BBQ.

Ich aß etwas und bemerkte die so fremd gewordene Stille im dämmerungsumwobenen Haus. Die fast vollkommende Stille, die Bewegungslosigkeit im Haus. Ein seltsames Gefühl.

And maybe just maybe I'll come home

Dann musste ich an „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ denken, daran dass darin besagt wird, dass man im Grunde immer und überall alleine ist, das beklagte Gefühl der expliziten Einsamkeit, macht diesen eigentlich neutralen Fakt erst so gesellschaftlich gefürchtet.

Was Menschen alles tun um nicht alleine sein zu müssen...wie einsam müssen diese Menschen wohl sein ?

Ich erkenne nun, dass Alleinsein eines der großes Stichwörter meines Aufenthalts hier ist. Erste eigene Wohnung, das erste mal alleine wohnen, dann auch noch hier, wo man sich ohnehin erst mal alleine und ein wneig verloren fühlt. Alleine reisen, nur für sich kochen, nur für sich planen. Für mich ist das eine neue Erfahrung und ich erkenne jetzt, dass sie mir große Angst gemacht hat. Aber jetzt, nach 8 Monaten Aufs und Abs, kann ich diese Angst beobachten und gemütlich einen Tee dabei trinken, da mir irgendwie bewusst geworden ist, dass die einzige wirkliche Konstante im Leben man sich selbst ist. Das erscheint schon wieder schwarzmalerisch, aber so meine ich es in keinstem Sinne. Ich finde diesen Gedanken sogar sehr ermutigend, da man keine Angst vor Zurückweisung oder der Gleich, sehr menschlichen Ängsten, haben muss, da man selbst immer da sein wird, zumindest solange wie man sich selbst braucht. Wo sich mir dann die Frage stellt, warum wir uns alle so abhängig von zwischenmenschlichen Kontakten machen. Ich sage nicht, dass wir alle als Eremiten leben sollen, hell no !, dafür sind zwischenmenschliche Kontakte viel zu bereichernd in jeglichem Sinne, davon abgesehen sind Menschen Herdentiere – wir können schlichtweg nicht ohne einander. Aber diese, alles beherrschende, Angst einsam zu sein, die finde ich interessant. Allein dass viele den Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit nicht mehr klar definieren können oder wollen. Warum erwarten wir soviel von anderen und so erschreckend wenig von uns selbst ? Wie kann ich erwarten, dass mich jemand anderes glücklich macht, wenn ich es nicht mal selbst bei mir vermag?

Das sind so Gedanken die mir bei Tee oder nem Glas Rotwein durch den Kopf gehen und dann ist auch schon Gidi wieder da.

Was wohl die Brücke zu einem weiteren großen Thema, für mich, schlägt: Zeit bzw. Geduld.

Aber davon ein anderes Mal =)

(Regenschauer über Nyalenda)

07Juni
2014

Sich selbst aus der Rechnung nehmen

 

Eigentlich wollte ich gar nicht über das Zwischenseminar berichten, aber einen Punkt möchte ich doch hier veröffentlichen, da er vielleicht vielen Freiwilligen oder generell Leuten als Umdenkanregung dienlich sein kann.

Eines unserer Themen war der Sexismus, wo dann besonders wir Frauen gefragt waren und uns erst mal allesamt beklagten. Wie respektlos manche Männer seien, wie arg man sich selbst verstellen muss um der lokalen Frauenrolle gerecht zu werden um nicht allzu krass herauszustehen und somit Zielscheibe für Belästigungen oder Lästereien (besonders auf Dörfern schien das öfter der Fall zu sein) zu werden.

Ich hörte mir das alles an, nickte heftigst mit dem Kopf; denn auch mich brachten die fast ständigen Ruferein schon so manches mal in Rage.

Aber dann überlegte ich, wie genau ich das mache, da ich eigtnlich nach 2 oder 3 Monaten hier meinen Frieden damit gemacht habe, nun weiß dass man mit zurückwitzeln eigentlich am entspanntesten aus so mancher unangenehmen Situation wieder raus kommt und ich mich eigentlich nicht mehr über Unverschämtheiten aufrege.

Ich meldete mich zu Wort und versuchte meinen veränderten Standpunkt zu verdeutlichen und dabei wurde eins deutlich: Ich hatte gelernt mich selbst aus der Rechnung raus zu nehmen.

Wenn diese Männer mir hinterherrufen, dass sie einen weiteren Obama mit mir zeugen wollen oder mich als ihr Baby Gal betiteln hat das nichts mit mir zu tun. Hier ist das ein Bestandteil der Kultur und für mich nur so unangenehm, weil ich aus einer anderen komme und solche Gepflogenheiten in Deutschland halt als unverschämt aufzufassen sind. Aber genau da muss man sich anpassen. Ich bin nicht mehr in Deutschland. Und da fiehl mir ein, was ein guter Freund mir kurz vor meiner Abreise sagte und was mir noch lange im Kopf rumschwirrte: „Auf Reisen muss man sich selbst zu Hause lassen“. Das stammt von einem Philosophen dessen Namen ich leider auch bei Googel nicht finden konnte, aber was zählt ist ja die Aussage dahinter und die möchte ich einfach mal so im Raum stehen lassen, aber als wichtigen Grundsatz deklarieren oder vllt als meinen größten Lernerfolg hier verbuchen. Das klingt eingebildet, aber das darf man ja auch mal.

07Juni
2014

Alltag (?!)

So, ich denke die Zeit von Januar bis Ostern kann ich ganz gut nutzen um mich mal dran zu wagen meinen „Alltag“ hier zu beschreiben.

Das gestaltet sich schwerer als man es denken sollte; das merke ich vor allem immer wieder wenn ich mit meinem Vater skype. Dann will er Updates und wissen warum ich z.B. dieses oder jenes nicht geschafft habe, dann überlege ich und muss einfach plump zur Antwort geben, dass ich halt schlichtweg nicht dazu gekommen bin und dann lachen wir beide und schiebens auf die Sonne.

Vielleicht ist man da auch an der richtigen Adresse. Hier, 6 Minuten unterm Äquator, laufen Dinge einfach etwas anders ab. Kenia ist, auf Grund von kulturellen Gründen, schon äußerst effizient- und profitorientiert. Zum Beispiel wird hier 7 Tage die Woche gearbeitet. Wochenende ist etwas für steuerfreindliche Taugenichtse; wie die Tansanier zum Beispiel. Das ist hier so der Grundsatz, zumindest in der Regierungsabteilung.

Da hier aber, trotz all der Effizienz, doch halt noch alles anders abläuft habe ich mir angewöhnt mir keinen festen Tagesablauf zuzulegen sondern jeden Morgen aufs neue ins Office zu fahren (obwohl auch das manchmal variiert) und zu sehen wohin mich der Tag von dort an bringt. Ich beginne mit meiner eigenen Arbeit am Laptop, begrüße immer wieder Leute die ins Office kommen (bei uns herrscht ein ständiges Kommen und Gehen), unterhalte mich jenachdem mit ihnen über Dieses und Jenes. Daraus haben sich schon so manches mal neue Tagesentwicklungen oder gleich ganze Projekte ergeben.

Irgendwann geht’s dann zum Lunch in die Beach Kitchen wo es meist Fisch mit Ugali (Maismehlbrei/klumpen wen man knetet, zu einem Löffelchen formt und dann Gemüse/Fleisch reinfüllt) gibt und sich noch ein wenig mehr unterhalten wird. Oder ich fahre zum Lunch in die Stadt um dann dort auch direkt WLAN zu nutzen und gegenenfalls noch andere Dinge zu erledigen. Was sich halt so ergibt.

Das schöne an Ecofinder ist, dass, solange ich meine Projekte habe und wöchentliche Entwicklungen (jeden Freitag haben wir ein Meeting, wo jeder berichtet was er/sie so getrieben hat, wo Hilfe benötigt wird etc.) verbuchen kann, kann ich tun und lassen was ich will, ergo auch kommen und gehen wie ich mag, da ich Dunga aber auch persönlich sehr interessant finde sitze ich mittlerweile sehr gerne mit den Fischern am Beach und unterhalte mich.

Ständig lernend, ständig übend (wie ich letztens bei einem Freund gelesen habe).

Ich denke es ist für einen Deutschen, der das jetzt hier in Deutschland ließt, schwer nachzuvollziehen. Selbst für mich klingen meine Beschreibungen eher danach, als würde ich kollektives Nichts-tun verblümt darstellen wollen, aber dem ist nicht so. Und da kommt wohl wieder die Sonne ins Spiel – unser stetiger Begleiter. Ich bemerke es an mir selbst; man wird einfach automatisch langsamer, oder besser entspannter. Man denke daran wie in Deutschland geächzt wird, wenn es mal über 30 Grad an einem Wochentag wird; hier sind es konstant 30 – 40 Grad. Man fühle sich da mal rein; da passt man sich an und wird automatisch langsamer.

Besonders fällt mir das auf, wenn ich andere Freiwillige aus kälteren Regionen treffe. Simple Beispiel: Ich gehe ca. halb so schnell wie die.

(kleine Impressionen aus Kisumu: Mega Plaza, spontan entstandene Müllkippe am Eule Market, eine meiner geliebten Kuhherden vor der Mega City Mall mit riesigem Supermarkt und Kino)

07Juni
2014

Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.

Als ich nun endlich wieder in meinem geliebten Kisumu war, begann für mich wieder der Alltag – sofern ich hier jemals so etwas wie Alltag habe, zumindest nicht im deutschen Sinne.

Jeder Tag birgt etwas neues in sich und man weiß nicht wohin einen die Straße bringt auf der man grade mit dem Piki herrast (wenn ich mal Bilbos Worte abgeändert klauen darf). So kam es dann auch, dass ich somit die lustigste Begegnung soweit hatte, direkt an meinem ersten Tag zurück am Dunga Beach. Wir hatten einige meetings an diesem Tag und einiges wurde koordiniert und neu geplant. Ich kritzelte alles auf Zettelchen, da ich noch keinen neuen Kalender zum Jahresbeginn gekauft hatte. Diesen, für mich zumindest, todbringenden Fehler beschloss ich dann am Nachmittag zu revidieren, indem ich in die Stadt fuhr um mir dort einen Kalender für 2014 zu besorgen. Als ich grade versuchte zu entschieden ob ich lieber den grünen oder den roten nehmen solle hatte ich plötzlich eine große schwarze Hand im Gesicht „Ah, I finally tracked you down!“ -Ich drehte mich langsam, mit kritischem Blick um. „Eh?“ Was war denn nu los? Da stand plötzlich ein Schrank von einem Mann vor mir und strahlte mich euphorisch aber leicht unsicher an. Er erklärte mir, dass er mich vor 3 Wochen in einem Cafè gesehen habe (ich meinte mich dunkel erinnern zu können) und mich seitdem gesucht habe. Ich begann zu schmunzeln. Er habe überall in der Stadt Freunden gesagt sie sollen ihn anrufen sobald sie eine rothaarige Weiße mit einem Tattoo am Knöchel sehen. Ich versuchte mir ein lautes Lachen zu verkneifen. Und sogar mehrfach früher mit der Arbeit schluss gemacht um in besagtem Cafè auf meine Rückkehr zu warten. Dann war es um mich geschehen. Ich starrte ihn nur an und lachte laut los. Das schien ihn doch sichtlich zu verunsichern, was so gar nicht so diesem Koloss zu passen schien.

Man wird hier viel angebaggert, geradezu permanent belästigt, aber dieser Kerl war was anderes. Ich weiß immer noch nicht genau woran ich das festmachte, aber dieses Gefühl verleitete mich wohl auch dazu ihm meine Nummer zu geben.

Naja, und da ich diesen Beitrag leicht verspätet, 6 Monate später schreibe, kann ich glücklich berichten, dass ich weise gehandelt habe. Happily ever after...wäre da dieser komische Flug nach Deutschland nicht...

 

07Juni
2014

the little things

 

 

  • Sitze im Cafe Eden (roof top mama kitchen hinter Mega Plaza) und höre plötzlich lautes Geschrei von der Straße. Sehe durch die Bäume Schülerscharen die komplette Hauptstarße hochmaschieren, an Transportern hochklettern und laut singen und schreien. Ein anderer Gast erklärte mir dann, dass die High School grade „released“ wurden – SO feiert man seinen Abschluss =D

  • Ich sitze in Nairobi in einem City Shuttle und blicke, mal wieder im Stau stehend, aus dem Fenster auf ein träge an mir vorbeigleitendes Auto herab. Am Steuer sitzt ein älterer Mann im Anzug und ließt Zeitung auf dem Lenkrad während er hin und wieder gemächlich aufs Gas drückt...thats how u make use of ur way to work in Nairobi

  • Erster Ausflug in Moshi, alles ist noch neu und ungewohnt und plötzlich geht eine Frau an mir vorbei, in ein Gespräch vertieft mit einer anderen und trägt einen Schuh auf dem Kopf. In beiden Händen hält sie weitere Schuhe während sie mit perfekter Balance dahingkeitet...ich starre nur...ich kann nicht mal ein Buch auf dem Kopf tragen und diese Frau balanciert einen Turnschuh

  • Ich wunderte mich monatelang über die Gräber direkt vor der Mauer unseres Hauses, als mir erklärt wurde, dass es Brauch in der Lou Kultur ist, die Toten bei der Familie zu beerdigen, damit die Seelen nahe bei den Geliebten und Liebenden sind, die Idee von Friedhöfen führte zu verwirrten Blicken, ob wir unsere Toten denn nicht bei uns haben wollen...

  • mit den Augenbrauen zucken heißt hier „Ja bitte? Was willst du?“

  • auf dem Kibuye Market Sonntags Altkleider shoppen ist besser als jede Fashion Week dieser Welt

  • eine Greifbewegung (Kinder winken meist auch so) mit der Hand in der Luft heißt „Kuja hapa“ (Komm her)

 

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